Sentiment: Die Ampel steht auf dunkel-orange


Hey,

Wie hat sich das Sentiment im Zuge der Corona-Krise entwickelt?

Nicht immer erhalten wir bei der Stimmungsanalyse ein klares und eindeutiges Bild. Oft sehen wir bei der Stimmung bestimmte Tendenzen, die wir im Blick behalten sollten, die aber nicht unbedingt zum sofortigen Handeln auffordern.Das ist sogar der Normalfall.

Die eindeutigen "Peaks", die im langfristigen Kontext für ein signifikantes Umschichten des Depots sprechen, sind eher selten und nur in wirklichen Stimmungsextremen zu finden.

Aktuell haben wir es vielleicht noch nicht mit einer solchen Extremsituation zu tun, aber es gibt bedenkliche Entwicklungen, die schon sehr aussagekräftig sind! Wir könnten also sehr bald in ein solches Extrem hineingeraten!

 

Wer hat da eigentlich gekauft?

Am Boden der Corona-Krise sahen wir zwar kurzfristig Panik am Markt, das übergeordnete Sentiment war aber gar nicht mal so negativ. Viele Experten rieten zur Gelassenheit und auch bei den Privatanlegern überwog die Mentalität die günstigen Kurse zum Nachkaufen langfristiger Investments zu nutzen, was in der Nachbetrachtung ja zunächst nicht die schlechteste Entscheidung war.

Aber die Skepsis war natürlich groß - interessanterweise besonders bei den professionellen Investoren. Sogar Warren Buffet sitzt auf einem milliardenschweren Cash-Polster!

 

Aktien in der Hand der Unerfahrenen

Wenn wir uns die Stimmung genauer ansehen, so sehen wir aktuell eine klare Zweiteilung. Die professionellen Investoren sind tendenziell skeptisch. Bei den privaten Anlegern gibt es dagegen eine Flut neuer Aktionäre!

Die Online-Broker verzeichnen rekordverdächtige Zahlen bei den Depot-Neueröffnungen! Das Volumen an Sparplänen und ETF-Positionen ist weiter gestiegen. Zuletzt gab es dieses Phänomen im Jahr 2000 - und wir wissen, was danach geschah! Das ist eine explosive Mischung, die da im Augenblick gebraut wird!

So schön es auch ist, dass da gerade eine neue Generation an Börsianern heranwächst und die Corona-Turbulenzen ein derart großes Interesse in der in Deutschland sonst so schwachen Aktienkultur ausgelöst hat.

Ich bin inzwischen sehr wachsam!

 

Die privaten Anleger (und darunter besonders die Unerfahrenen) haben quasi 'blind' gekauft. Passives Investieren hat erneut einen Schub erhalten.

Doch jede neue Generation geht normalerweise erstmal relativ blauäugig ins Rennen - Genauso wie ein Kind beim Laufenlernen immer wieder hinfällt und aufsteht. So wäre es die Ausnahme, wenn nicht auch diese neue Anleger-Generation irgendwann hinfallen muss, um wirklich an der Börse zu wachsen.

 

Technologie: "Hauptsache die Story stimmt - Bewertung? Egal!"

Es ist ein wahrer Run entbrannt, die nächste Apple, Amazon oder Tesla zu finden. Es scheint so, dass fast nur noch nach der nächsten Story gesucht wird, ohne auch nur einen Blick auf die Bewertungen zu werfen.

Das wäre ungefähr so, wenn du die schön angestrichene Villa zu utopischen Preisen kaufen würdest. Diesen Glanz leisten sich maximal Liebhaber, aber kein Investor. Und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass sich Investment-Legenden wie Warren Buffet zurzeit vornehm zurückhalten, während die Privatanleger beherzt zugreifen.

 

 

Wiederholt sich die Geschichte?

Und auch das gab es schon: Im Hype zur Jahrtausendwende sahen wir bei den Tech-Werten astronomische Bewertungen, als die Privaten und Neulinge an die Börse strömten. Aktuell sind bereits einige Parallelen erkennbar!

Noch gibt es aber ein großes Lager der skeptischen (vorwiegend professionellen) Anleger. Geht die Börse den Weg des größten Schmerzes, könnte dieses Klientel noch in den Markt gedrängt werden, bevor es kracht.

 

Fazit

Ich war seit dem Jahr 2009 lange bullish für den Aktienmarkt. Bereits vor der Corona-Krise gab es Anzeichen für einen reifen Bullenmarkt, der sich dem Ende nähert. Statt das Bild aus Stimmungssicht zu entschärfen, ist das Sentiment-Gemisch inzwischen trotz der Börsenturbulenzen noch explosiver!

Noch gibt es aber das gut gefüllte Lager der Skeptischen und dieses könnte dem Platzen dieser Gemengelage noch (!) im Wege stehen. Stimmungsgetriebene Börsen sind oft irrational. Blasen überraschen gerade deshalb immer wieder in ihrer Dynamik die Anlegergemeinde.

Ob es nun noch zu einer Übertreibungsphase kommt oder nicht, ein gesundes Maß an Wachsamkeit ist angebracht.

Liebe Grüße,

Michael


ÜBER

Autor

Michael Jansen

Ich habe geckofolio ins Leben gerufen, um Menschen mit einem hohen Maß an Transparenz und Unabhängigkeit bei ihrem Vermögensaufbau zu unterstützen. Unter dem Motto 'Geldanlage wird endlich einfach' gebe ich mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung an dich weiter.

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