Höhenangst? Schaue auf logarithmische Charts

Höhenangst? Schaue auf logarithmische Charts


Wann wird ein gesunder Bullenmarkt zu einer gefährlichen Blase? 

 

Viele Bullenmärkte laufen lange, sehr lange. Oft hören wir von Crash-Propheten bereits Jahre vor dem eigentlichen Hoch, dass „die Blase“ bald platzen wird. Doch diese Warnungen kommen oft viel zu früh.

 

Warum das so wichtig ist? 

 

Wer sein langfristiges Portfolio zu früh wetterfest macht, verpasst wertvolle Rendite. Und diese ist im letzten Drittel eines Bullenmarktes bekanntlich besonders hoch.

 

Wie können wir eine potenzielle Blasenbildung also identifizieren?

 

Zuletzt bin ich häufig auf das Sentiment - also die Stimmung der Anleger - eingegangen. 

 

  1. Eine aufkommende Euphorie ist ein wichtiges Kriterium. Doch manchmal ist es schwer zu unterscheiden, wann die Stimmung bereits euphorisch ist und wann lediglich „deutlich optimistisch“.  Wenn du für deine Zurückhaltung von anderen belächelt oder gar angegriffen wirst, ist dies ein deutliches Zeichen für Euphorie :-)
  2. Die Preise heben sich merklich von realistischen Bewertungsmaßstäben ab. Sprich es werden zunehmend „Mondpreise“ gehandelt. Begründet werden diese dann häufig von „einem neuen Zeitalter“ oder von Sätzen wie „Diesmal ist alles anders“.
  3. Der Kursverlauf erreicht eine ungesunde Dynamik. Sprich in den Charts sehen wir die berühmte senkrechte „Fahnenstange“.

 

Auf Punkt 3 gehe ich heute ein. 

 

Schauen wir dazu auf den Nasdaq100. Hinsichtlich der US-Technologiewerte gibt es schließlich inzwischen einige Analysten, die vor einer Blase warnen. Doch ist der Nasdaq100 wirklich schon „am Ende“?

 

In der folgenden Grafik siehst du den Nasdaq100 oben in logarithmischer und unten in linearer Skalierung:

 

 

Um den langfristigen Kursverlauf wirklich einschätzen zu können, müssen wir auf den logarithmischen Chart schauen. Bei linearer Skalierung würde selbst die Wertentwicklung einer relativ konservativen Rentenversicherung durch den Zinseszins irgendwann zur Fahnenstange mutieren. :-)

 

Das klingt beim Beispiel der Rentenversicherung logisch, doch bei Aktien schauen viele Leute auch im langfristigen Kontext auf die linearen Langfristcharts und bekommen dann (verständlicherweise) „Höhenangst“.

 

Der Nasdaq100 kann sich theoretisch noch verdoppeln!

 

Interessant ist der obere Teil des Charts. Ich habe hier die einzelnen Phasen eines typischen Bullenmarktes einmal farbig markiert. 

 

  1. Blau: Nach einem Bärenmarkt folgt zunächst eine erste dynamische Aufholjagd.
  2. Hellgrün: In dem noch jungen Bullenmarkt geht es anschließend relativ gemächlich nach oben. Viele trauen dem Braten noch nicht und warten mit Käufen noch ab.
  3. Gelb: Die Stimmung wird optimistischer. Die Aufwärtsdynamik nimmt zu. Der Bullenmarkt ist in einer gesunden Verfassung und gut handelbar.
  4. Rot: Der Aufwärtstrend wird zum Ende eines typischen Bullenmarktes immer dynamischer. Selbst im logarithmischen Chart ähnelt der Kursverlauf immer mehr der sogenannten Fahnenstange. Zurzeit spricht vieles dafür, dass wir uns inzwischen in dieser letzten heißen Phase befinden.

 

Das Risiko in dieser letzten Phase ist hoch. Dafür aber auch die Renditen. Vergleichen wir den aktuellen Bullenmarkt mit dem großen Aufwärtszyklus vor der Jahrtausendwende, so wird eines ziemlich deutlich:

 

Die Aufwärtsdynamik im damaligen Bullenmarkt war noch um einiges höher. „Feuert“ der Markt in der letzten (roten) Phase diesmal ähnlich deutlich nach oben wie damals, so können sich die Kurse vom heutigen Niveau aus gesehen beim Nasdaq100 sogar nochmals verdoppeln!

 

Und das könnte durchaus passieren, wenn wir die Bewertungsebene von Technologieaktien mit einbeziehen: Denn noch steht den steigenden Kursen die glänzende fundamentale Entwicklung vieler Technologie-Schwergewichte entgegen.

 

Fazit: 

 

Die Stimmung ist optimistisch, die Aufwärtsdynamik nimmt zu und die Bewertungen sind hoch. Doch bei allen drei Punkten sehen wir immer noch keine Extreme. Noch ist es daher riskant gegen den Bullenmarkt  (z.B mit Short-Positionen) zu wetten, auch wenn die Warnzeichen sicherlich zunehmen. 

 

Auch wenn der Bullenmarkt womöglich noch nicht am Ende ist, so wird ein gesundes Risikomanagement angesichts der zunehmenden Risiken jetzt immer wichtiger. Und noch etwas: Ein zu einseitiges Investieren in die zurzeit so beliebten Boom-Branchen wird so langsam immer gefährlicher. Eine breite Streuung auch auf konventionelle Branchen abseits der Tech-Szene könnte das Risiko im Falle eines Zusammenbruchs des Kartenhauses abmildern.


ÜBER

Autor

Michael Jansen

Ich habe geckofolio ins Leben gerufen, um Menschen mit einem hohen Maß an Transparenz und Unabhängigkeit bei ihrem Vermögensaufbau zu unterstützen. Unter dem Motto 'Geldanlage wird endlich einfach' gebe ich mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung an dich weiter.

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